.. um das geplante Langenhorner Sozial- und Kulturzentrum
Raum für den Stadtteil oder politische Beruhigungspille?
Seit Jahrzehnten wartet der Stadtteil mit seinen mittlerweile fast 50.000 Einwohnern auf ein
angemessenes, zentrales Kultur- und Sozialzentrum. Mit der Gründung des Trägervereins „Haus für Alle“ Ende 2025 wurden endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Das Ziel: Ein Ort der Begegnung, der informellen Bildung und der lokalen Vernetzung. Doch während das ehrenamtliche Engagement auf Hochtouren läuft, droht das Projekt auf politischer Ebene drastisch zusammengestrichen zu werden.
Das Versprechen: Ein ganzes Erdgeschoss für die Gemeinschaft
Die ursprüngliche Zusage der Finanzbehörde aus dem Jahr 2023 war eindeutig: Für das Zentrum wurde das komplette Erdgeschoss der Liegenschaft an der Tangstedter Landstraße in Aussicht gestellt. Nach Abzug von Büroflächen für den Betreiber der dortigen öffentlichechtli-
chen Unterbringung verblieben vereinbarte 1.600 Quadratmeter Nutzfläche für das soziokulturelle Zentrum. Auf dieser soliden Basis wurden detaillierte Raumnutzungspläne, Bedarfsanalysen und ein tragfähiges Betriebskonzept ehrenamtlich erarbeitet. Mehrere feste Dauermieter aus dem Kreis lokaler Vereine und sozialer Träger stehen bereits in den Startlöchern und benötigen allein eine Kernfläche von fast 400 Quadratmetern.
Die Realität: Halbe Fläche, doppeltes Problem
Mittlerweile versucht der Bezirk jedoch, die Pläne massiv einzudampfen. Plötzlich ist nur noch von einer Fläche von rund 800 bis 900 Quadratmetern die Rede. Das offizielle Argument der Verwaltung: Es fehle schlicht am Geld, da das bezirkliche Budget für die jährlichen Betriebskosten gedeckelt sei.
Dass diese Argumentation auf wackeligen Beinen steht, zeigt eine einfache wirtschaftliche Gegenrechnung des Trägervereins:
- Selbst bei einer vorsichtigen Kalkulation der Betriebsund Nebenkosten für die vollen 1.600 Quadratmeter und unter Einbeziehung der sicheren Mieteinnahmen durch Fest- und Stundenmieter bliebe der anfänglich nötige Zuschussbedarf deutlich unter der vom Bezirk genannten Budgetgrenze.
- Es liegt daher der Verdacht nahe, dass hier fiskalische Gründe vorgeschoben werden, um zulasten des Stadtteils Flächen für andere behördliche Unterbringungszwecke zu reklamieren.
Warum 800 Quadratmeter nicht gleich 800 Quadratmeter sind
Ein Blick auf die bauliche Struktur des Gebäudes verdeutlicht, warum die vom Bezirk angebotene Halbierung der Fläche das gesamte Projekt gefährdet: Aufgrund des tiefen, verwinkelten Grundrisses beinhaltet die Planung enorme „tote“ Flächen im Gebäudeinneren, die über keinerlei Tageslicht verfügen, sowie großzügige reine Verkehrs- und Infrastrukturflächen wie Flure und das Foyer.
Zieht man diese baubedingten Freiflächen und Laufwege von den angebotenen 800 bis 900 Quadratmetern ab, schrumpft die tatsächlich nutzbare Fläche für Seminarräume, Kulturangebote und soziale Beratung auf magere 340 Quadratmeter zusammen. Ein solches Ergebnis ist für einen Stadtteil dieser Größenordnung weder angemessen noch funktional. Feste Dauermieter und flexible Nutzungen würden sich gegenseitig blockieren, ganz zu schweigen von den bisher ungelösten Fragen des Schallschutzes bei kleinteilig parzellierten Räumen.
Wie es weitergeht: Konzeptvergabe als Chance?
Um die verfahrene Situation zu analysieren, hat die Bezirksversammlung die Erstellung eines professionellen Betriebs- und Nutzungskonzeptes beantragt und ein externes Projektbüro damit beauftragt – ein Posten, der voraussichtlich mit rund 30.000 Euro zu Buche schlägt.
Die Krux an der Sache: Nach dem Willen der Behörden soll die Grundlage für dieses neue Konzept eben jene zusammengestrichene 800-Quadratmeter-Variante sein. Es steht zu befürchten, dass das Ergebnis damit von vornherein in ein zu enges Korsett gezwängt wird. Es bleibt die spannende Frage, ob das beauftragte Projektbüro in seiner Bedarfsanalyse mutig genug sein wird, über diese behördlichen Vorgaben hinauszudenken und den tatsächlich vorhandenen, weitaus größeren Bedarf im Stadtteil ungeschminkt festzustellen.
Eines steht fest: Eine Diskussion auf Augenhöhe sieht anders aus. Der Trägerverein wird sich nicht mit einer kleinteiligen Mogelpackung abspeisen lassen und pocht weiterhin konsequent auf die ursprünglich zugesagten und dringend benötigten Flächen. Langenhorn braucht Platz für Gemeinschaft - und zwar spürbar mehr als 800 Quadratmeter.
Andrea Rugbarth
M.d. TL81
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